Beim Thema „Moscheebau im Theodor-Heuss-Ring“ rät die FDP, religionsfeindliche Entgleisungen zu unterlassen.
In Dietzenbach gibt es eine Moschee der türkischen und eine Moschee der marokkanischen Muslime. Aber hier wohnen auch Anhänger der Ahmadiyya Muslim Jamaat, vorwiegend Pakistani, die jetzt auch ein eigenes Gebetshaus in einer ehemaligen Fabrik im Theodor-Heuss-Ring durch Umbau errichten wollen.
Die Nachbarn begrüßen dies nicht sonderlich. Sie haben Angst, dass damit der Wert ihrer Grundstücke sinkt, der Verkehr ungebührlich noch stärker wird in diesem Wohngebiet und es schwingen auch starke emotionale Vorbehalte gegenüber islamischer Lebensart mit. Dies kam zum Ausdruck beim FDP-Stammtisch am Donnerstag, dem 18. Februar in der LINDE und sehr stark am Abend darauf in der Veranstaltung des Ausländerbeirats im Capitol des Bürgerhauses.
Wo immer Emotionen oder gar mentale Vorbehalte aufeinandertreffen, geht es nicht immer rational zu. Beim FDP-Stammtisch gelang es weitgehend, die Gesprächsrunde auf einem vernünftigen Level zu halten. Im Bürgerhaus allerdings ging schon ab und an den einzelnen Rednern aus dem Publikum der Gaul durch.
Was gilt es denn aktuell gegeneinander abzuwägen?
Es liegt der Fakt vor, dass die Ahmadiyya-Leute das ehemalige Firmengebäude im Theodor-Heuss-Ring 48 gekauft haben. Nach eigenem Bekunden, taten sie dies erst, nachdem ihnen eine Genehmigung zur Umwidmung in eine Moschee vom Ersten Stadtrat Kolmer zugestanden worden sei. Die Verwaltungsspitze allerdings erklärt, es läge ja noch gar kein Antrag auf Umwidmung (so lautet das in Amtsdeutsch) auf eine Moscheenutzung vor. Da fragt man sich erst mal: „Was stimmt denn nun?“
Und wie geht es wohl weiter? Gesetzt den Fall, jetzt würde tatsächlich erst ein offizieller Antrag auf Umwidmung von der muslimischen Gemeinde eingereicht, dann kommt es darauf an, welche Bewertungen rein juristisch anzusetzen sind: Parkplätze müssen nachgewiesen werden. In diesem Fall pro Mitglied der Glaubensgemeinde je ein Parkplatz für je 10 Mitglieder. Aber die Frage: „Wie viele Mitglieder hat denn die Ahmadiyya in Dietzenbach?“ wurde sehr ausweichend, um nicht zu sagen, gar nicht beantwortet. Man verwies auf „in Steinberg so um die 130 bzw. 145“ und erklärte, dass Dietzenbach organisatorisch in vier Teile gegliedert sei, wobei „seither in einer Wohneinheit im Spessartviertel“ ein Gebetsraum genutzt worden ist, der auch künftig weiterhin zum Gebet zur Verfügung stehe.
Kann man aber ernsthaft davon ausgehen, dass bei einer richtig schön und rituell bestens eingerichteten Moschee im Theodor-Heuss-Ring künftig nur die Steinberger dorthin gehen? Und die anderen weiterhin in dem Provisorium im Spessartviertel beten?
Auch bedacht werden muss, dass neue Moscheebauten selbstverständlich auch von Glaubensbrüdern aus umliegenden Gemeinden – zumindest hin und wieder – zumindest schon aus Interesse besucht werden. Und dass bei einem geplanten Ausbau des Baufeldes C auch hiermit ein erhöhtes Verkehrsaufkommen zu erwarten ist im umliegenden Wohngebiet, also auch im Theodor-Heuss-Ring. Insofern war der Hinweis des Bürgermeisters Jürgen Rogg sicherlich richtig, damit müsse sich allemal die Verkehrskommission in aller Kürze beschäftigen, denn für eine Überbelastung einzelner Stadtteile mit Verkehr, ausgelöst durch städtebauliche Maßnahmen, gilt es voraus-schauende Planungen und Entscheidungen zu beachten.
Was allerdings absolut inakzeptabel ist, dürfte auch klar sein: Religionsfeindliche Einstellungen zur Entscheidungsgrundlage zu machen, das darf nicht sein, schon gar nicht in Deutschland. Da liegt nach wie vor ein schwerer Schatten aus der Vergangenheit –hoffentlich- auf unser aller Gewissen.